Bioprodukte sorgen durch ökologische Herstellung nicht nur für gesunde Ernährung, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Auch regionale Produkte bieten bedeutende Vorteile. Foto links: Animaflora, istock; rechts: huettenhoelscher, istock
Ein kleiner Einkaufsführer zu gesunden Lebensmitteln
Der Bio-Boom hatte 2022 erstmals einen Dämpfer erlebt, damals verursacht durch den Ukraine-Krieg und die stark angestiegenen Lebensmittelpreise. Seitdem kletterte der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln aber zwei Jahre in Folge wieder nach oben und erreichte 2024 satte 17 Mrd. Euro. 5,7 % Wachstum waren es zuletzt, während Bio-Lebensmittel im selben Zeitraum nur 0,9 % teurer wurden. Das Interesse nimmt also tatsächlich zu. Das Öko-Barometer des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ermittelte die Gründe dafür: 90 % der Befragten legten auf eine artgerechte Tierhaltung und möglichst naturbelassene Lebensmittel wert. 88 % möchten mit ihren Einkäufen regionale Betriebe unterstützen, während sich 87 % gesünder ernähren möchten. Zusatz- und Verarbeitungshilfsstoffe (85 %) sollen genauso der Vergangenheit angehören wie Pflanzenschutzmittelrückstände (84 %). Doch wie viel ist dran an den Vorstellungen der Befragten? Was darf in Bio-Produkten drinstecken und was nicht? Und in welchen Fällen könnten Saisonalität und Regionalität einen größeren Stellenwert einnehmen, als er dem Bio-Siegel gebührt? Diese und weitere Fragen klären wir im folgenden kleinen Einkaufsführer.
Was macht „Bio“ aus?
Bei der Auswahl aus der Auslage im Supermarkt meldet sich oft das Gewissen. Sollen es Früchte aus Spanien oder aus Deutschland sein? Bio oder konventionell? Wer nachhaltig kaufen möchte, wird wegen der weiten Transportwege spanische Früchte eher mit schlechtem Gewissen essen. Egal ob aus Spanien oder aus Deutschland – Früchte aus konventionellem Anbau enthalten deutlich mehr Pestizid-Rückstände als solche aus ökologischer Landwirtschaft. Denn dort sind chemische Pflanzenschutzmittel verboten. Für alle in Deutschland angebauten und verkauften Bio-Lebensmittel gilt die EU-Öko-Richtlinie von 1991, die 2007 erstmals komplett überarbeitet wurde und in den letzten Jahren eine gründliche Neuordnung erfuhr. Seit dem 1. Januar 2022 werden in der EU Produkte aus biologischer bzw. ökologischer Erzeugung noch ausführlicher und strenger geregelt. Die Richtlinie legt unter anderem fest, was bei der Erzeugung, Verarbeitung, Kennzeichnung und Kontrolle von Bio-Produkten einzuhalten ist. Für die ökologische Tierhaltung und Fischzucht gibt es eigene Richtlinien. Daran erkennt man auch, was in konventionellen Erzeugnissen enthalten sein kann. Und das sind nur die rechtlichen Mindeststandards für den Öko-Landbau.
Da die Begriffe „Bio(logisch)“ und „Öko(logisch)“ geschützt sind, können Kunden sicher sein, dass sie auch Bioware erhalten. Die Vorgaben gelten international. Wer Produkte mit Biosiegel kauft – sei es aus Deutschland, Spanien oder Ägypten, kann sich also auf die Einhaltung dieser Standards verlassen. Nicht täuschen lassen sollten Sie sich von Begriffen wie: „umweltgerechter Anbau“, „aus kontrollierter Landwirtschaft“. Diese sind verbreitet, haben aber nichts mit „Bio“ zu tun.
Beim Einkauf bieten die Biosiegel Orientierung. In Deutschland gibt es zwei gängige staatliche Biosiegel: das sechseckige, deutsche Biosiegel und das viereckige EU-Biosiegel. Darüber hinaus hat fast jeder Discounter ein eigenes Bio-Siegel entwickelt, wie BioBio. Auch hier kann sich der Kunde auf die Einhaltung der EU-Mindeststandards verlassen. Das Gleiche gilt für die Label der Bioläden, zum Beispiel Alnatura. Jedes Bioprodukt ist nicht nur mit einem Biosiegel gekennzeichnet, sondern ergänzend durch den Code DE-Öko-0xx. DE steht für Deutschland, Öko für ökologische Landwirtschaft und die dreistellige Zahl für eine der in Deutschland zugelassenen Öko-Kontrollstellen.
Wichtige Regeln der Bio-Produktion:
- Gentechnik ist verboten.
- Konventionelle Zutaten sind nur erlaubt, wenn sie nicht in Öko-Qualität verfügbar sind (z.B. bestimmtes Saatgut).
- Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel.
- Haltung möglichst robuster und wenig stressanfälliger Tierrassen.
- Kranke Tiere sind vorrangig mit pflanzlichen oder homöopathischen Mitteln zu behandeln.
- Antibiotikagabe ist stark reglementiert.
- Die Begriffe „öko(logisch)“ und „bio(logisch)“ sind geschützt.
- Das Biosiegel gibt es nur, wenn mindestens 95 % der landwirtschaftlichen Zutaten ökologisch erzeugt wurden.
Haltungsstufe 4
Die sogenannten Haltungsstufen kommen bei Tierprodukten wie Fleisch und Milch zum Einsatz und bieten Verbrauchern ein schnelles Signal, wenn sie beim Einkauf wert auf das Tierwohl legen. Bei „Haltungsstufe 4 – Premium“ haben die Tiere etwa doppelt so viel Platz wie ihre Genossen von Stufe 1.
Ihnen steht Einstreu und ständiger Zugang zum Auslauf im Freien zur Verfügung. Das Futter ist gentechnikfrei und stammt zu mindestens 20 Prozent aus dem eigenen Betrieb oder aus der Region, bei Jungbullen, Rindern und Kühen sogar zu 60 Prozent. Vom Idyll des Wiesenschweins, das täglich gestreichelt wird, ist Stufe 4 jedoch immer noch weit entfernt.
„Premium-Bio“
Wer Bioprodukte nicht beim Discounter, sondern im Naturkost- oder Bioladen kauft, wird meist andere Biosiegel auf den Produkten finden – die der Bio-Anbauverbände in Deutschland, vereint unter dem Dach des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW): Biokreis, Bioland, Biopark, Bundesverband Naturkost Naturwaren, Demeter, Ecoland, Gäa, Naturland, Verbund Ökohöfe. Die Anbauverbände betreiben Landwirtschaft nach strengeren Vorgaben als die EU-Mindeststandards, sie liefern sozusagen „Premium-Bio“. So werden beispielsweise die Tiere artgerechter gehalten, bei der Lebensmittelherstellung sind deutlich weniger Zusatzstoffe erlaubt und für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gelten strengere Vorgaben. Wer mit dem Kauf von Bioprodukten etwas für seine Gesundheit, für die Umwelt und für die Tiere tun will, der sollte vielleicht doch lieber auf die etwas teureren Bio-Produkte der Anbauverbände zurückgreifen. In Deutschland ist gut die Hälfte aller Ökobauernhöfe Mitglied in einem der Verbände.
Was macht „Regional“ aus?
Heimische Produkte können – wie auch alle anderen – sowohl ökologisch als auch konventionell hergestellt werden. Einen klaren Vorteil haben regionale Produkte in jedem Fall: Sie stärken regionale Wirtschaftskreisläufe und Nachhaltigkeit. Wer regional kauft, unterstützt heimische Produzenten und Händler, kurze Lieferwege schonen dabei die Umwelt. Denn die Äpfel müssen nicht erst aus Chile nach Deutschland gekarrt werden. Und in der Regel macht regionales Einkaufen weniger Müll. Frische Lebensmittel vom Bauern sind selten in Plastik eingeschweißt, Eierkartons und Saftflaschen werden mehrfach verwendet.
Bio und regional – die Zauberkombi gibt's auf Wochenmärkten, im Bio-Hofladen oder im eigenen Garten. Foto: Zbynek Pospisil, istock
Das Beste: bio und regional
Ein Blick in die Ergebnisse des eingangs erwähnten Öko-Barometers verdeutlicht, dass die Kombination aus biologischem Anbau und einem Produktionsstandort in der Nähe besonders beliebt ist. Die Umfrage zeigt: Inzwischen greifen 36 % der Befragten häufig oder sogar ausschließlich zu Bio-Lebensmitteln. 49 % tun dies immerhin gelegentlich. Am häufigsten stehen dabei Eier, Gemüse, Obst, Kartoffeln und Milch auf dem Einkaufszettel – also jene Güter, die oftmals auch regional erhältlich sind. Dabei gilt es, sauber zwischen „Bio“ und „Regional“ zu unterscheiden. Beide Einkaufsstrategien bieten für sich große Vorteile – während die Kombination aus beidem die „Königsklasse“ darstellt. Wenn man allein auf die Ökobilanz achtet, dann gibt man regionalem Obst und Gemüse den Vortritt vor weltweiten Bio-Gütern. Beim Fleisch verhält sich das anders: Dort ist der ökologische Fußabdruck der Produktion bereits so groß, dass der Transport kaum ins Gewicht fällt. Der Bio-Landbau verbraucht aber immerhin rund zwei Drittel weniger Energie – deshalb aus Öko-Sicht hier gern zu Bio greifen.
Wofür lohnt sich der Bio-Kauf besonders?
Diese Obst- und Gemüsesorten sind häufig mit Pestiziden belastet, hier sollte man besser immer Bio kaufen: Aprikosen, Auberginen, Bohnen, Erdbeeren, Grünkohl, Himbeeren, Johannisbeeren, Kirschen, Melone, Paprika, Petersilie, Pflaumen, Radieschen, Salat, Stachelbeeren, Weintrauben, Zucchini.
Bei diesen Sorten ist auch konventioneller Anbau denkbar, hier ist die Pestizidbelastung geringer: Ananas, Äpfel, Bananen, Blumenkohl, Brokkoli, Chicorée, Eisbergsalat, Fenchel, Kartoffeln, Kiwis, Mandarinen, Möhren, Orangen, Pfirsiche, Spargel, Spinat, Zitronen, Zwiebeln
Schmackhaft und lehrreich: saisonal kaufen
Möchte man Obst und Gemüse zugleich Bio und regional einkaufen, dann schließt das eine sofortige Verfügbarkeit zu jeder Jahreszeit natürlich aus. Abgesehen von Lagerware wie Kartoffeln und Äpfeln wird das meiste Obst und Gemüse nur saisonal angeboten. Wenn es Erdbeeren tatsächlich nur im Sommer gibt, dann verinnerlichen Kinder auch schnell, dass in der Natur nicht immer alles stets verfügbar ist, sondern jede Frucht ihre Saison hat. Menschen, die vor allem mit regionalen Lebensmitteln kochen, schwören auf einen weiteren Vorteil: Es schmeckt einfach besser. Machen Sie doch mal selbst den Test und vergleichen Sie den Geschmack von spanischen Erdbeeren, die im Januar bei uns in den Regalen liegen, mit den selbst gepflückten Erdbeeren im Juni.
Wie verhält sich das mit Fleisch?
Wem artgerechte Tierhaltung wichtig ist, der hat es schwer beim Kauf von Fleisch und Wurst. Die Tierhaltung auf vielen Biohöfen ist ausbaufähig. Massentierhaltung, das Töten männlicher Küken, Kastrieren von Ferkeln ohne Narkose – all dies gibt es hier ebenso. Teilweise ist auch die ganzjährige Haltung im Stall und die Gabe von Antibiotika erlaubt. Einige Bio-Anbauverbände haben für ihre Betriebe strengere Richtlinien erlassen. Insofern gilt für den Kunden: Biofleisch ist besser als Nicht-Biofleisch. Noch besser aber ist es, einen Fleischer oder Bauern des Vertrauens zu finden, bei dem man weiß, wie die Tiere vorher gelebt haben. Je kleiner der Hof, desto glücklicher vermutlich die Tiere. Hier lohnt der Fleisch- und Wurstkauf in Naturkost- oder Bioläden besonders, wo das Fachpersonal die Herkunft und den Landhof genau kennt. Regional schlägt hier im Zweifel Bio – fragen Sie einfach nach.
Der Sommer kommt: Wo gibt's Bio-Eis?
Bei Bio-Eis schleckt das gute Gewissen mit! Trägt das Eis „Bio“ im Namen oder der Beschreibung, dann sind ausschließlich Zutaten von Milch und Sahne bis hin zu Nüssen, Vanilleschoten und Früchten in Bio-Qualität verwendet worden. Manche Lausitzer Eisdealer setzen darauf – wir geben einen Überblick:
Alpaca Finca Spreewald
... bietet das erste Bio-Eis des Spreewaldes, beispielsweise als dunkles Schoko-Softeis mit 50-prozentigem Kakao-Anteil oder Vanille-Softeis mit echten, gemahlenen Schoten.
Eisvogel Burg
... bezieht seine Bio-Milch aus Fehrow und zaubert daraus unzählige köstliche Sorten.
Café Liska Dissen
... verwöhnt seine Gäste ebenfalls mit Bio-Eis, produziert aus der Fehrower Bio-Milch.
Bio-Eis gefällig? Dafür muss die wichtigste Zutat – Milch – aus biologischer Herstellung stammen, genauso wie Früchte und Co. Foto: PeteGallop, istock
Wo gibt es Bio-Lebensmittel?
Bio-Lebensmittel gibt es mittlerweile fast überall: im Supermarkt, in der Drogerie, im Naturkostladen, auf dem Wochenmarkt, im Internet. Wem das Standard-Bio genügt, der findet im Supermarkt und Discounter ein vielfältiges und relativ preiswertes Bio-Sortiment. Im Naturkostladen, Reformhaus, auf dem Bio-Landhof oder im Bioladen bezahlt man mehr, bekommt aber auch fachkundige Beratung und Produkte von Bioanbauverbänden, die über den Mindeststandards liegen. Auf Wochenmärkten erhält man frische Saisonware direkt vom Biobauern. Wer einen Biobauernhof in der Nähe hat, kann sich auch dort nach dem Hofverkauf erkundigen. Im Internet gibt es immer mehr Händler, die Bioprodukte verkaufen. Ein beliebter Trend sind sogenannte Abokisten, die auch in der Lausitz von Landhöfen angeboten werden. Wöchentlich oder seltener bekommen Kunden Kisten mit Obst und Gemüse der Saison zu einem Festpreis geliefert. Meistens stehen verschiedene „Menüs“ zur Auswahl, man kann aber auch selbst zusammenstellen. Auf Wunsch gibt’s auch Brot, Eier oder Milch dazu. Der Vorteil: Man spart sich die Zeit zum Einkauf und hat immer regionales, saisonales Gemüse aus der Region. In der Lausitz hat aber auch der Handel der Biobranche kräftig zugelegt. Allen voran ist Cottbus mit dem Bioladen Schömmel samt Bistro und Biobäckerei zum Lausitzer Zentrum für Bioprodukte gewachsen. Aber auch im Ländlichen gibt es allerlei Angebote. Eine Auswahl zeigen wir in unserem Bio-Register.
Frisch vom Feld direkt vor die eigene Haustür – das geht mit Bio-Abokisten vom Landwirt oder Abo-Dienst des Vertrauens. Foto: Raul Mellado, istock